Nichts geht über Apfelschorle
Dieter Baumann sprach mit Schülern der Laura-Schradin-Schule über seine Erfahrungen beim Leistungssport

Als krönenden Abschluss eines dreiwöchigen Projekts zum Thema „Sport und Ernährung“ hatten die Klassen 11 und 12 des Ernährungswissenschaftlichen Gymnasiums der Laura-Schradin-Schule den Langstreckenläufer und Olympiasieger Dieter Baumann eingeladen. Nach Wochen der Theorie wollten die Schüler von ihm wissen, ob sich das mühselig Gelernte auch in der Praxis des Leistungssports wiederfindet.

Dieter Baumann beim Vortrag vor Schülern

„Welcher Geburtsjahrgang sind Sie denn?“ wollte Dieter Baumann als erstes wissen. Damit war klar, dass die großen Triumphe des Langstreckenläufers vor der Zeit der meisten Anwesenden lagen und in die Kategorie „Es war einmal“ fielen. Wie war das damals, als Sie Olympiasieger wurden? Sicher ein aufregendes Erlebnis, meinte der Gefragte, aber eben ein Ereignis unter vielen. Er habe ja nie aufgehört zu Laufen, und jeder neue Wettkampf habe seine volle Konzentration erfordert. Und wie war das mit der Vorbereitung? Gab es eine spezielle Diät vor den Wettkämpfen? Wir sind keine Fußballspieler, entgegnete Dieter Baumann, Läufer sind bei der Ernährung auf die eigene Erfahrung angewiesen. Er selbst habe sich vor jedem Lauf eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen gegönnt, und er sei damit immer gut gefahren – oder besser: gelaufen. Und wie war das mit Alkohol? Er trinke gern ein Glas Bier zum Vesper, gab Dieter Baumann zu. Allerdings habe er seine Silbermedaille 1988 in Seoul in einer Bierpause geholt, und damit war es für Ihn auch in Zukunft klar, dass es bei Wettkämpfen eben keinen Alkohol gebe. Sicher sei da ein wenig Aberglaube dabei, gab er schmunzelnd zu.

Das mit der Ernährung sei in seinen Augen ohnehin etwas überbewertet. Leistungssportler „sündigen“ wie jeder normale Mensch, ohne dass es ihrer Leistung abträglich wäre. Die traditionell starken Läufer aus den Regionen, in denen Überernährung ein unbekanntes Problem sei, nähmen während der Wettkämpfe sogar um die drei Kilogramm zu, weil sie vom üppigen Nahrungsangebot vor Ort völlig überwältigt seien. Es sei auch abwegig anzunehmen, dass die „richtige“ Ernährung automatisch zu einer Leistungssteigerung führe. Leistung lasse sich beim gut Trainierten nur sehr schwer steigern. Eine der Möglichkeiten sei Doping, und das sei – leider- nach wie vor ein großes ungelöstes Problem. „Das mit der Zahnpastatube habe ich nicht verstanden“, meinte eine Schülerin, und Dieter Baumann erklärte ihr, dass er selbst einmal unwissentlich in die Dopingfalle getappt sei. Er sei zwar von allen Vorwürfen freigesprochen worden, doch das Drumherum, sei sehr belastend gewesen und habe sein Leben lange Zeit überschattet.

Aber noch einmal die Frage: gibt es keine „richtige“ Ernährung bei Wettkämpfen, und was hält Dieter Baumann von Getränken, die Flügel verleihen sollen? Wer sich normal ernähre, brauche keine besondere Diät, und Energy Drinks seien unnötig. Er kenne als Sportgetränk nichts Besseres als Apfelsaftschorle, und beim Marathonlauf gebe es eben Selbstgebrautes: Kamillentee mit Maltodextrin aus der Apotheke und einer Prise Salz aus der eigenen Küche. Und dann waren die eineinhalb Stunden mit Fragen und Antworten auch schon um. Die Organisatorin der Veranstaltung, Cornelia Widmann, dankte Dieter Baumann dafür, dass er sich die Zeit genommen habe, ihren Schülern Rede und Antwort zu stehen. Es sei ein Vergnügen gewesen, eine Größe des Laufsports derart aufgeschlossen und freundlich zu erleben. Er habe bewiesen, dass man ernste Themen auch amüsant und kurzweilig präsentieren könne. Als Dankeschön gab es eine selbstgebackene Goldmedaille und - wie könnte es anders sein – einen Kasten Apfelsaftschorle. (WID)



Zusätzliche Informationen