Ein Stolperstein für Laura Schradin erinnert an Mut und gesellschaftliches Engagement

Am 19. Mai wurde in der Stauffenbergstraße 45 in Tübingen ein Stolperstein für Laura Schradin verlegt. Die Gedenkveranstaltung wurde von der von der Tübinger Stolperstein-Initiative organisiert. Mit weißen Rosen, Musik und persönlichen Beiträgen wurde an das Leben der Frauenrechtlerin und Sozialdemokratin erinnert.

Obwohl Laura Schradin den größten Teil ihres Lebens in Reutlingen verbrachte, wurde der Stolperstein in Tübingen verlegt, da sie ihre letzten Lebensjahre hier verbrachte und dort verstarb.

Besonders war die Anwesenheit einer Weggefährtin von Hedwig Rieth, der Tochter Laura Schradins. Sie verband die Erinnerung an die Familie auf besondere Weise mit der Gegenwart.

Bei der Gedenkveranstaltung sprachen Anka Oesterle und Nicolae Sorin über das Leben und Wirken Laura Schradins.

Laura Schradin engagierte sich für Frauenrechte, soziale Gerechtigkeit und demokratische Werte. Als überzeugte Sozialdemokratin stellte sie sich gegen den Nationalsozialismus und machte aus ihrer Ablehnung des Regimes keinen Hehl. Unter anderem widersetzte sie sich den nationalsozialistischen Plänen, ein von ihr unterstütztes Erholungsheim für Frauen in ein „NS-Bräuteheim“ umzuwandeln, in dem junge Frauen dazu erzogen werden sollten, „dem Führer ein Kind zu schenken“. Wegen ihrer kritischen Haltung wurde sie zu einer Haftstrafe verurteilt. Die Zeit im Gefängnis schwächte die gesundheitlich bereits angeschlagene Laura Schradin zusätzlich. Sie starb 1937 sie in Tübingen an den Folgen eines Schlaganfalls.

Der Stolperstein erinnert heute dauerhaft an ihren Mut und ihr gesellschaftliches Engagement.

Die Verlegung der Stolpersteine gehört zum europaweiten Erinnerungsprojekt des Künstlers Gunter Demnig. Die kleinen Messingtafeln im Gehweg erinnern an Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt, entrechtet oder ermordet wurden. Sie liegen vor dem letzten freiwillig gewählten Wohnort der Betroffenen und laden dazu ein, im Alltag kurz innezuhalten – denn Erinnerung geschieht mitten im täglichen Leben.

Auch in Tübingen setzt sich die Stolperstein-Initiative seit vielen Jahren dafür ein, die Lebensgeschichten der Opfer sichtbar zu machen und das Erinnern lebendig zu halten. Schulen, Ehrenamtliche und Unterstützer recherchieren Biografien und gestalten die Verlegungen mit. Die Stolpersteine erinnern dabei nicht nur an vergangenes Unrecht, sondern mahnen auch, Demokratie, Menschlichkeit und gegenseitigen Respekt in der Gegenwart zu bewahren.

Transparente mit der Aufschrfit "Stolpern, erinnern, handeln"
Bei der Staolpersteinverlegung vor dem Haus, indem Laura Schradin wohnte.
Tübinger Stolpersteininitiative

[Fotos: SAC; Text: SAC, HOF]